Auswertung 1
Fällt man dort, wo die Theorie hart ist, auch in der Praxis durch?
Zwischen den Bundesländern liegen bei beiden Prüfungen zweistellige Abstände in Prozentpunkten. Wenn diese Abstände etwas über die Strenge eines Landes aussagen würden, müssten sie zusammenlaufen: Ein hartes Land wäre in Theorie und Praxis hart. Wir haben nachgerechnet, ob das stimmt.
- Grundlage: Statistik FE 7 des Kraftfahrt-Bundesamtes
- Rechenweg und Rohwerte stehen in der Datentabelle
Fragestellung
Hängt die Durchfallquote der Theorieprüfung eines Bundeslandes mit der Durchfallquote seiner praktischen Prüfung zusammen? Und falls ja, wie eng?
Die Frage ist keine Spielerei. In fast jeder Diskussion über Durchfallquoten steckt die Annahme, ein Land oder eine Prüforganisation sei eben strenger als die andere. Wäre das der Kern der Sache, müsste sich derselbe Effekt in beiden Prüfungen zeigen. Tut er das nicht, ist die Erklärung zu einfach.
Methode
Grundlage sind alle 16 Bundesländer im Berichtsjahr 2025, jeweils alle Fahrerlaubnisklassen und Erst- wie Wiederholungsprüfungen zusammen. Für jedes Land haben wir zwei Quoten gerechnet: nicht bestandene Theorieprüfungen geteilt durch abgelegte Theorieprüfungen, dasselbe für die Praxis.
Danach haben wir jedes Land in zwei Ranglisten einsortiert, Rang 1 für die höchste Quote. Aus den beiden Rangreihen haben wir die Rangkorrelation nach Spearman berechnet. Sie liegt zwischen minus eins und plus eins: plus eins hieße, beide Ranglisten sind identisch, null hieße, sie haben nichts miteinander zu tun.
Wir nehmen bewusst die Rangkorrelation und nicht den Zusammenhang der Rohwerte, weil einzelne Stadtstaaten mit extremen Werten sonst das ganze Ergebnis tragen würden. Der Rechenweg steckt vollständig in der Tabelle weiter unten, du kannst ihn nachrechnen.
Ergebnis
0,48
Rangkorrelation nach Spearman zwischen Theorie und Praxis über alle 16 Länder.
Spannweite Theorie
15,1
Prozentpunkte zwischen Berlin und Hamburg. Das ist der Faktor 1,47.
Spannweite Praxis
18,0
Prozentpunkte zwischen Berlin und Schleswig-Holstein. Das ist der Faktor 1,69.
Ergebnis
Die beiden Ranglisten hängen zusammen, aber locker. Der Wert 0,48 liegt deutlich über null und deutlich unter eins. Bei 11 der 16 Länder liegen beide Ränge höchstens drei Plätze auseinander, bei den übrigen weiter.
Der größte Ausreißer ist Hamburg: In der Theorie steht das Land auf Rang 16 mit 32,1 %, in der Praxis auf Rang 2 mit 43,3 %. Ein Land kann also bei der einen Prüfung ganz vorn und bei der anderen ganz hinten stehen.
An der Spitze der Theorie steht Berlin mit 47,2 %, am Fuß Hamburg mit 32,1 %. In der Praxis führt Berlin mit 44,4 %, den niedrigsten Wert hat Schleswig-Holstein mit 26,3 %. Zum Vergleich der Bundesschnitt: 40,6 % in der Theorie und 30,6 % in der Praxis.
Die kurze Antwort auf die Ausgangsfrage lautet also: teilweise. Wer die Länderunterschiede mit einem einzigen Faktor erklärt, etwa mit der Strenge einer Prüforganisation, müsste erklären, warum dieser Faktor bei der Theorie anders wirkt als bei der Praxis.
Beide Quoten nebeneinander
Je Land ein Balkenpaar, links die Theorie, rechts die Praxis. Dieselben Werte stehen darunter als Tabelle.
Datentabelle
Sortiert nach dem Theorierang. Die letzte Spalte ist die Differenz der beiden Ränge: eine positive Zahl heißt, das Land steht in der Praxis weiter vorn als in der Theorie.
| Bundesland | Theorie | Rang | Praxis | Rang | Differenz |
|---|---|---|---|---|---|
| Berlin | 47,2 % | 1 | 44,4 % | 1 | 0 |
| Sachsen-Anhalt | 44,5 % | 2 | 35,8 % | 4 | -2 |
| Thüringen | 43,9 % | 3 | 33,3 % | 7 | -4 |
| Brandenburg | 43,8 % | 4 | 35,3 % | 5 | -1 |
| Mecklenburg-Vorpommern | 43,2 % | 5 | 34,6 % | 6 | -1 |
| Rheinland-Pfalz | 43,1 % | 6 | 27,7 % | 14 | -8 |
| Baden-Württemberg | 42,7 % | 7 | 29,8 % | 10 | -3 |
| Saarland | 41,4 % | 8 | 37,5 % | 3 | 5 |
| Nordrhein-Westfalen | 40,6 % | 9 | 29,3 % | 11 | -2 |
| Bremen | 40,1 % | 10 | 33,2 % | 8 | 2 |
| Bayern | 40,0 % | 11 | 27,6 % | 15 | -4 |
| Sachsen | 38,2 % | 12 | 33,2 % | 9 | 3 |
| Niedersachsen | 38,0 % | 13 | 29,0 % | 12 | 1 |
| Hessen | 36,9 % | 14 | 28,5 % | 13 | 1 |
| Schleswig-Holstein | 33,6 % | 15 | 26,3 % | 16 | -1 |
| Hamburg | 32,1 % | 16 | 43,3 % | 2 | 14 |
| Deutschland gesamt | 40,6 % | kein Rang | 30,6 % | kein Rang | kein Rang |
Grundlage sind 2.042.050 Theorieprüfungen und 1.886.133 praktische Prüfungen des Berichtsjahres 2025. Die Bundeswerte bekommen keinen Rang, sie sind die Summe der Zeilen darüber.
Grenzen dieser Aussage
Keine Ursache
Ein Zusammenhang zwischen zwei Ranglisten sagt nichts darüber, warum er besteht. Wir zeigen, dass die Reihenfolgen teilweise zusammenlaufen. Warum sie das tun, steht in diesen Daten nicht, und wir tun auch nicht so, als stünde es darin.
Sechzehn Punkte
Eine Korrelation über 16 Werte ist empfindlich. Verschiebt sich ein einziges Land um ein paar Ränge, bewegt sich der Wert spürbar. Wir geben ihn deshalb als Größenordnung an, nicht als Messwert mit Nachkommagenauigkeit.
Länder sind keine Personen
Aus einem Zusammenhang zwischen Landesquoten folgt nichts über einzelne Prüflinge. Dass ein Land in beiden Listen oben steht, heißt nicht, dass dieselben Menschen zweimal durchfallen. Das lässt sich mit dieser Quelle gar nicht prüfen.
Verschiedene Mischungen
Jedes Land hat eine andere Mischung aus Fahrerlaubnisklassen und aus Erst- und Wiederholungsprüfungen. Beides beeinflusst die Gesamtquote, ohne dass irgendjemand strenger prüft. Die Aufteilung je Land steht auf den Länderseiten.
Prüfungen, nicht Personen
Gezählt werden Prüfungstermine. Wer dreimal antritt, steht dreimal drin. Alles Weitere dazu auf der Methodikseite.
Ein Jahr
Diese Auswertung betrachtet ein einziges Berichtsjahr. Ob das Muster stabil ist, lässt sich erst sagen, wenn wir mehrere Jahrgänge auf Länderebene gleich geprüft haben.
Quelle
- Datensatz:
- Kraftfahrt-Bundesamt (KBA), Statistik FE 7, Fahrerlaubnisprüfungen, Blatt FE 7.4
- Berichtszeitraum:
- Jahr 2025 (Meldestand vom 31. Dezember 2025)
- Veröffentlicht:
- 21.04.2026
- Von uns abgerufen:
- 27.08.2026, ausgelesen am 28.08.2026
© Kraftfahrt-Bundesamt, Flensburg / Datenlizenz Deutschland - Namensnennung - Version 2.0
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