Ratgeber
Fehlerpunkte in der Theorieprüfung, im Detail gerechnet
Fast jeder weiß, dass 10 Fehlerpunkte erlaubt sind. Deutlich weniger wissen, dass es zwei Bedingungen sind und nicht eine. Wer zwei Fragen mit je 5 Punkten falsch beantwortet, ist durchgefallen, auch bei exakt 10 Punkten. Hier steht die Wertung vollständig, mit Rechenbeispielen für genau die Fälle, an denen es kippt.
- Rechtsstand geprüft am 28. August 2026
- Fahrerlaubnis-Verordnung in der Fassung vom 12. August 2026

Was ein Fehlerpunkt ist
Ein Fehlerpunkt ist keine Zählung deiner Fehler, sondern das Gewicht einer Frage. Jede Frage der Theorieprüfung trägt eine feste Wertung von 2, 3, 4 oder 5 Fehlerpunkten. Beantwortest du sie falsch, wird dir diese Zahl in voller Höhe angeschrieben. Beantwortest du sie richtig, wird dir nichts angeschrieben. Etwas dazwischen gibt es nicht.
Wie schwer eine Frage wiegt, hängt daran, wie gefährlich ein Fehler in dieser Situation im echten Verkehr wäre. Die Wertung und die Bestehensgrenze stehen in Anlage 7 zur Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV).
Woher die Regel kommt
Anlage 7 zur FeV, Nummer 1.2.2, ist eine Tabelle. Jede Zeile darin gehört zu einer Gruppe von Fahrerlaubnisklassen und nennt genau drei Zahlen: wie viele Fragen der Bogen hat, wie viele Punkte er insgesamt trägt und wie viele Fehlerpunkte höchstens erlaubt sind. Für den Ersterwerb der Klasse B sind das 30 Fragen, 110 Punkte und 10 Fehlerpunkte.
Die zweite Bedingung steht nicht in der Zeile selbst, sondern in einer Fußnote, die an einigen Zeilen hängt und an anderen nicht. Sie sagt, dass die Prüfung auch dann nicht bestanden ist, wenn zwei Fragen mit der Wertigkeit 5 falsch beantwortet wurden. Genau das ist der Grund, warum sie so oft untergeht: Wer die Tabelle überfliegt und die Fußnote nicht mitnimmt, hat eine Regel gelesen, wo zwei stehen.
Die dritte Zahl der Zeile wird fast nie zitiert und ist die nützlichste. 110 Punkte liegen auf dem ganzen Bogen, 10 davon darfst du liegen lassen. Dein Spielraum ist also knapp ein Zehntel des Bogengewichts, nicht ein Drittel der Fragen. Diese Punktsumme beschreibt allerdings den amtlichen Bogen: Übungsfragen, auch unsere, tragen ihre eigene Gewichtung und kommen nicht zwingend auf dieselbe Summe.
Eine Frage ist richtig oder falsch
Gewertet wird die ganze Frage, nicht die einzelne Antwort. Richtig ist eine Frage nur dann, wenn die von dir angekreuzten Antworten exakt den richtigen Antworten entsprechen. Daraus folgen drei Dinge, die in der Prüfung regelmäßig Punkte kosten:
- Fehlt eine von zwei richtigen Antworten, ist die ganze Frage falsch.
- Ist eine Antwort zu viel angekreuzt, ist die ganze Frage ebenfalls falsch.
- Eine Frage ohne Kreuz zählt als falsch. Raten ist rechnerisch immer besser als Auslassen.
Halbe Punkte für halb richtige Antworten gibt es also nicht. Genau diese Regel bildet unser Prüfungssimulator ab, damit dein Übungsergebnis dieselbe Aussage hat wie ein Prüfungsergebnis.
Die 2x5-Regel, der eigentliche Stolperstein
Bestanden ist die Theorieprüfung für den Ersterwerb der Klasse B, wenn beide Bedingungen erfüllt sind: höchstens 10 Fehlerpunkte insgesamt und höchstens eine falsch beantwortete Frage mit 5 Fehlerpunkten. Die zweite Bedingung ist der Grund, warum jedes Jahr Leute mit genau 10 Punkten durchfallen und es für einen Rechenfehler der Prüfstelle halten.
- Klasse: B
- Grenze: 10 Fehlerpunkte
- Skala: 0 bis 15 Fehlerpunkte
- Bestanden: 0 bis 10 Fehlerpunkte
- Nicht bestanden: 11 bis 15 Fehlerpunkte
Es ist keiner. Zwei falsche Fünfer sind zwei schwere Fehler an den gefährlichsten Stellen des Straßenverkehrs, und die Prüfung behandelt sie anders als fünf kleine Ungenauigkeiten. Beide Bedingungen gelten unabhängig voneinander, und beide müssen erfüllt sein.
- Falsche schwere Frage 1: 5 Fehlerpunkte
- Falsche schwere Frage 2: 5 Fehlerpunkte
- Summe: 10 Fehlerpunkte
- Erlaubt sind höchstens 10 Fehlerpunkte
- Ergebnis: nicht bestanden
Eine 5er, eine 3er und eine 2er falsch
Summe 10, Ergebnis bestanden.
Zwei 5er falsch, sonst alles richtig
Summe 10, Ergebnis nicht bestanden.
Fünf Rechenbeispiele
Alle fünf Fälle unten sind realistisch, und drei davon enden mit derselben Punktzahl unterschiedlich. Lies die dritte Zeile genau, sie ist der Fall, den kaum jemand auf dem Schirm hat.
| Falsch beantwortet | Rechnung | Summe | Fünfer | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|
| Fünf Fragen mit je 2 Punkten falsch | 2 + 2 + 2 + 2 + 2 | 10 | 0 | bestanden |
| Eine 5er, eine 3er und eine 2er falsch | 5 + 3 + 2 | 10 | 1 | bestanden |
| Zwei 5er falsch, sonst alles richtig | 5 + 5 | 10 | 2 | nicht bestanden |
| Eine 5er, eine 4er und eine 2er falsch | 5 + 4 + 2 | 11 | 1 | nicht bestanden |
| Zwei 5er und eine 2er falsch | 5 + 5 + 2 | 12 | 2 | nicht bestanden |
Zeile zwei und Zeile drei landen beide auf 10 Punkten. Die eine ist bestanden, die andere nicht. Der einzige Unterschied ist die Zahl der falschen Fünf-Punkte-Fragen. Zeile fünf trifft beide Ausschlusskriterien gleichzeitig, ist also doppelt durchgefallen, was am Ergebnis nichts ändert.
Zwei Bögen, Punkt für Punkt addiert
Die Tabelle oben zeigt die Rechnung in einer Zelle. Hier steht sie ausgeschrieben, Frage für Frage, so wie sie in der Prüfung entsteht. Beide Bögen enden bei 10 Fehlerpunkten und gehen verschieden aus.
Im ersten Bogen gehen drei Fragen daneben, und die ersten beiden sind keine Wissenslücken, sondern Bedienfehler: einmal ein Kreuz zu viel, einmal eines zu wenig. Beide kosten trotzdem die volle Wertigkeit der Frage.
| Frage | Was schiefging | Wertigkeit | Stand |
|---|---|---|---|
| 4 | Eine Antwort zu viel angekreuzt | 2 | 2 |
| 9 | Eine von zwei richtigen Antworten fehlte | 3 | 5 |
| 22 | Falsch beantwortet | 5 | 10 |
| Ergebnis | 1 falsche Frage mit 5 Punkten | 10 | bestanden |
Nach Frage 9 steht dieser Bogen bei 5 Fehlerpunkten und hat noch Luft. Die eine falsche Frage mit 5 Punkten auf Platz 22 bringt ihn exakt auf die Grenze. Beide Bedingungen sind erfüllt: 10 ist nicht mehr als 10, und eine falsche Frage mit 5 Punkten ist weniger als zwei. Bestanden, ohne jeden Spielraum.
Der zweite Bogen ist der unangenehme. Hier gehen nur zwei Fragen daneben, also eine weniger als im ersten. Die zweite davon ist nicht einmal falsch beantwortet, sie blieb leer.
| Frage | Was schiefging | Wertigkeit | Stand |
|---|---|---|---|
| 6 | Falsch beantwortet | 5 | 5 |
| 21 | Kein Kreuz gesetzt, die Zeit war knapp | 5 | 10 |
| Ergebnis | 2 falsche Fragen mit 5 Punkten | 10 | nicht bestanden |
Der Punktestand ist identisch: 10 Fehlerpunkte, und damit hält dieser Bogen die erste Bedingung genauso wie der erste. Er reißt die zweite. Zwei falsche Fragen mit 5 Punkten beenden die Prüfung, und daran ändert sich nichts, wenn die restlichen 28 Fragen alle richtig sind.
Ein Fehler weniger, derselbe Stand auf dem Zähler, ein anderes Urteil. Beide Urteile oben stammen nicht aus dem Fließtext, sondern aus derselben Funktion, mit der unser Simulator wertet.
Die Grenzfälle, einzeln durchgespielt
Was passiert bei genau 10 Punkten?
10 Fehlerpunkte sind erlaubt, nicht verboten. Die Grenze schließt ein, sie schneidet nicht ab. Ab 11 ist die Prüfung vorbei. Wer bei genau 10 landet, hat bestanden, sofern nicht die zweite Bedingung dazwischenkommt.
Was bei zwei Fragen mit der Wertigkeit 5?
Dann ist die Prüfung nicht bestanden, unabhängig vom Punktestand und unabhängig davon, wie gut der Rest lief. Die Bedingung zählt falsche Fragen dieser Stufe, nicht Punkte. Sie greift beim zweiten Mal, das erste ist folgenlos, solange die Summe hält. Umgekehrt gilt: Fünf falsche Fragen mit je 2 Punkten sind zusammen ebenfalls 10 Fehlerpunkte und trotzdem bestanden.
Was, wenn eine Videofrage dabei ist?
Nichts Besonderes. Eine Videofrage trägt eine feste Wertigkeit wie jede andere Frage und kann deshalb auch 5 Punkte wiegen. Ist sie falsch und wiegt sie 5 Punkte, zählt sie für die Regel zu den zwei Fünfern voll mit. Es gibt keine getrennte Videowertung und keinen Nachlass dafür, dass das Video nicht anzuhalten war.
Was, wenn eine Frage leer bleibt?
Sie zählt als falsch, mit ihrer vollen Wertigkeit. Eine leere Frage ist damit teurer als ein Rateversuch, denn Raten kann richtig sein und kostet im schlechtesten Fall genauso viel. Es gibt keinen Abzug für falsches Raten und keine Enthaltung.
Was, wenn beide Gründe zusammentreffen?
Dann steht auf deinem Ausdruck der Punktestand zuerst und die Regel zu den zwei Fünfern danach. Am Ergebnis ändert das nichts, aber es ist der Fall, aus dem man am meisten lernt: Er sagt dir, dass du zwei verschiedene Baustellen hast und nicht eine.
Wo die 2x5-Regel nicht gilt
Die Fußnote hängt nicht an jeder Zeile der Anlage. Bei zwei von sieben Zeilen fehlt sie, und dort entscheidet allein die Punktsumme. Das ist der fachlich heikelste Teil des Themas, weil fast jede Zusammenfassung im Netz die Regel als allgemeingültig verkauft.
Der erste Fall ist die Prüfbescheinigung fürs Mofa: 20 Fragen, 69 Punkte, höchstens 7 Fehlerpunkte, keine Fußnote. Der zweite ist die Erweiterung der Klassen AM bis T, also der Bogen für alle, die schon eine Fahrerlaubnis haben: 20 Fragen, 72 Punkte, höchstens 6 Fehlerpunkte, ebenfalls ohne Fußnote.
Praktisch macht das wenig aus. Zwei falsche Fünfer wären 10 Fehlerpunkte und lägen auf beiden Bögen weit über der Grenze. Der Unterschied ist trotzdem keiner auf dem Papier: Er sagt dir, dass dort eine einzige falsche Frage mit 5 Punkten schon fast das ganze Polster frisst.
| Klassen | Erwerb | Fehlerpunkte | Zwei Fünfer |
|---|---|---|---|
| AM, A1, A2, A, B, L, T | Ersterwerb | 10 | beendet die Prüfung |
| Mofa | Ersterwerb | 7 | gilt nicht |
| AM, A1, A2, A, B, L, T | Erweiterung | 6 | gilt nicht |
| C1, CE | Erweiterung | 10 | beendet die Prüfung |
| C | Erweiterung | 10 | beendet die Prüfung |
| D1 | Erweiterung | 10 | beendet die Prüfung |
| D | Erweiterung | 10 | beendet die Prüfung |
Zwei Verwechslungen, die teuer werden
Fehlerpunkte sind nicht Fehler
Wer sich merkt, dass zehn Fehler erlaubt sind, rechnet mit einem Polster, das es nicht gibt. Zehn falsche Fragen bedeuten je nach Gewichtung zwischen 20 und 50 Fehlerpunkte, also weit jenseits der Grenze. In Wahrheit können schon zwei falsche Fragen die Prüfung beenden, wenn beide fünf Punkte wiegen, und ab sechs falschen Fragen ist sie in jedem Fall vorbei.
Erlaubt sind
Zehn falsche Fragen mit je 2 Fehlerpunkten
Zehn falsche Fragen mit je 5 Fehlerpunkten
Fehlerpunkte sind nicht die Punkte in Flensburg
Die Fehlerpunkte der Theorieprüfung haben mit dem Fahreignungsregister nichts zu tun. Sie existieren nur für die Dauer dieser einen Prüfung, werden nirgends gespeichert und haben keine Folge für deinen späteren Führerschein. Bestehst du, sind sie weg. Fällst du durch, fängt der nächste Versuch wieder bei null an.
Was du daraus fürs Üben mitnimmst
Übe mit einem laufenden Punktestand statt mit einer Fehlerzahl. Wer nach jeder Antwort sieht, wie viel Luft noch bleibt, lernt nebenbei, welche Themen teuer sind, und arbeitet genau die zuerst auf. Ein Übungsergebnis, das anders rechnet als die Prüfung, sagt dir wenig.
Wie sich der Aufbau des Bogens dazu verhält, steht im Ratgeber zur Zahl der Prüfungsfragen. Wie oft es in Deutschland tatsächlich schiefgeht, zeigen die Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes in unserer Statistik.
10
Fehlerpunkte oder weniger insgesamt.
1
falsche Frage mit 5 Punkten, höchstens. Bei zwei falschen Fünfern ist die Prüfung vorbei, unabhängig vom Punktestand.
| Punkte | Wofür sie stehen |
|---|---|
| 2 | Begriffe, Papiere, Technik am Rand: ein Fehler bleibt hier meistens folgenlos. |
| 3 | Regeln des Alltags, die du kennen musst, aber selten reißt. |
| 4 | Situationen, in denen ein Fehler andere Verkehrsteilnehmer gefährdet. |
| 5 | Vorfahrt, Geschwindigkeit, Abstand, Alkohol: die Fragen, an denen Prüfungen kippen. |
Häufig gefragt
- Zählt eine leere Frage als falsch?
- Ja, mit ihrer vollen Punktzahl.
- Kann ich mit 10 Punkten durchfallen?
- Ja, wenn zwei davon aus falschen 5-Punkte-Fragen stammen.
- Gilt die Grenze auch bei einer Erweiterung?
- Nein. Bei der Erweiterung der Klassen AM bis T sind es 20 Fragen und höchstens 6 Fehlerpunkte, und die Regel zu den zwei Fünfern gilt dort nicht.
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